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Rot

Zeitungsausschnitt der Berner Rundschau vom
06. 08. 1996


Schwerer Verkehrsunfall auf der C18

Gestern ereignete sich auf der Landstraße
Richtung Bern ein schwerer Autounfall, wobei
das Unfallfahrzeug frontal mit einer
Straßenlaterne kollidierte. Die Beifahrerin
verstarb wegen schwerwiegenden Verletzungen
auf dem Weg ins Berner-Schiller-Krankenhaus.
Der Fahrer des Unfallfahrzeuges liegt zur Zeit
auf der Intensivstation des Krankenhauses. Sein
Zustand scheint sich nach der gestrigen
Stabilisierung zu bessern.


12. 02. 1998; Köniz, nahe Bern

-Grau, alles grau.
Die Wolken türmen sich auf, um das, woraus sie
entstanden, abzulassen und die Erde zu
benässen-

Unsicherheit, ein Gefühl, welches mich schon
mein ganzes lang Leben plagt - doch nun ist es
die reinste Hölle! In fast ehrfürchtig betender
Stellung, knie ich in dem Raum meines
Appartements, der ursprünglich für´s Wohnen
gedacht war - doch es ist an der Zeit, seinen
ursprünglichen Zweck umzukehren.
Fingerknöchel, die weiß hervortreten, bilden
einen grausigen Kontrast zum Wegbereiter
meines schier unendlichen Glücks...
Ich bin gespannt, wie die letzten Sekunden an
mir vorbeischleichen werden, unentdeckt werden
sie jedenfalls nicht bleiben!
Der unendlichen Schwermütigkeit als Partner
vereinleibt, werden sie ihr letztes Ticken von
sich geben und dies vollkommen unterstützt
durch die Farbe der Liebe - ROT. Wenn etwas
zu sehr geplant ist, verspürt man eine noch
gewaltigere Angst, als man sie bei spontanen,
wiederum auch alles verändernden
Bewegungsabläufen verspüren würde, da man sich
in die Situation langsam aber stetig hineinlebt.
Diese Angst türmt sich in Folge von
krampfartigen, nicht zu kontrollierenden
Anfällen des Zitterns immer wiederkehrend in
mir auf und steigert sich, im wasten Sinne des
Wortes, zur Todesangst.
- Verdammt, hätte ich doch nur eine, eine
einzelne Zigarette - nur eine gottverdammte
Zigarette -
Als ich mein ursprünglich zum Töten gedachtes,
in der heutigen Zeit jedoch in jedem Haushalt zu
findendes Werkzeug - welches nun in meinen
Händen sich die Macht der letzten Sekunden in
sich vereinleibt - durch einen von meinem
Verstand wohl gezielten Krampf, Richtung Boden
dahingleiten sehe, kommt Ruhe in mir auf...
Ruhe - Mittel zum Zweck, um geplantes Tun
wieder aufzunehmen, um wieder Mut zu fassen -
nahe am Abgrund.
Erleichterung breitet sich in mir aus, als ich im
Schatten des Sofas eine vereinsamte
Zigarettenschachtel auf den richtigen Moment
warten sehe.
Leicht wie eine Feder zieht der Rauch, durch die
Luftströme geführt, seine Bahn in eigenartige
Zeichen.
Nun ist es an der Zeit, ich werde es wagen, sie
wiederzusehen.

Nicht eingeplante Wolken, die sich kräuselnd
verschieben, vom Wind geschoben phantastische
Gebilde formen, jagen mir zum ersten Mal in
meinem Leben große Furcht ein. "Wer denkt, der
lebt", war einer der großen Sätze meines Vaters
und ich versuche so schnell wie nur möglich diese
verfluchten Wolken aus meinem Blickfeld zu
verbannen.
Meine Entscheidung steht fest!
Fest umklammere ich das zuvor Fallengelassene
und spüre wie sich sein Gewicht in meine Hände
legt - sich seine Macht entfaltet - die
unergründliche Macht der letzten Sekunden.
Sie werden über mich Herfallen, mit
Siegesgeschrei..., doch sie täuschen sich, ich bin
mir eines Sieges gewiss!
Wärme steigt in mir auf -
Als ich die Bewegung in Richtung meines
Brustkorbs starte, steigert sich diese
anfängliche Wärme zu einem Gefühl der
vollkommenen Glücklichkeit und mir wird bewusst,
dass ich mir ein Ziel setze...ich werde sie
wiedersehen!
Die lautlos, blitzend lächelnde Entfaltung
seiner Macht, im träumerischen Zusammenspiel
mit der Farbe der Liebe, legt sich wie ein
schwarzer, seidener Schleier um mich; frei und
gedankenlos.
Ich spüre die Lehre und lasse mich in sie
hineinsinken...
Verschiedenste Lichtreflexionen formen sich
zu einer Gestalt, zu mir schauend, um sich
wieder mit mir zu vereinen.
1.8.07 16:42
 



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