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Kaffee

"Den Mut,

den ich geglaubt zu fassen

aus kommenden Taten,

die sich mit Verlaub drauf eingelassen,

im Nebel vollends zu verblassen,

mich alleine zu lassen,

war des Suchens zu wertvoll"


Es war erstaunlich, gleich zwei solcher Schönheiten an solch einem Tag zu erblicken - Nun, eigentlich wollte er ja nur einkaufen.

Ziemlich abwesend, packte er hastig die wichtigsten Lebensgrundlagen in seinen Tragebeutel. Beim Versuch, so oft wie irgend möglich, einer von den Beiden im Weg zu stehen, wurden Preise, der zu kaufenden Ware, echt unwichtig. Rechnen war eh nie seine Stärke gewesen und zudem und sowieso: Wofür gibt´s den sonst EC-Karten? Er dachte schon daran, eine, naja - die Eine von den beiden, die er noch erwischen würde, bevor sie das Lidlverkaufshaus verlässt, nach einem Kaffeedate zu fragen. >Lust mit mir einen Kaffee trinken zu gehen< oder >Hey, ich würde Dich gern mal bei einer Tasse Kaffee einiges über Dich ausfragen< Hmm... , er grübelte noch, während er an der Kasse am Rollband anstand.

Dann sah er die Eine.

Eine absolute Fickpersöhnlichkeit. Halt diese Art von Frauen, die einen das Erstmal aufgrund ihrer Schönheit und nur aufgrund ihrer Schönheit auffallen. Es ist das von ihnen ausgestrahlte Sexappeal, welches diese Art von Frau auf einen aufmerksam werden lässt: Sie, eine enge Hose mit königlichem, zu erahnendem Arsch, bei dem jeder Fotograf bettelnd auf den Knien ihr zu Füßen gekrabbelt wäre, um sich später bei der Erinnerung daran einen runterzuholen, wie er sie dazu brachte, ihm die eigentlich echt ätzende Modekolektion x vorzuführen.

Alles stimmte, um auch jeder einzelnen Synapse, in seinem vor Triebvorstellungen benebelten Hirn, den Befehl zu geben, die Kassiererin anzuschreien, damit endlich der Highspeedknopf für dieses evellige Rollband betätigt wurde. Die andere stand am gegenüberliegenden Band neben sich.

Sah er in ihre, in diese träumerischen Augen, hoffte er nur, dass sie sein Wollen nicht erahnen konnte. Sie sah ihn überhaupt nicht. Er war irgendwie verlegen genug, nicht den Versuch zu unternehmen, ihren Blick auf ihn zu richten. Die Kurzsichtigkeit wäre aber auch eine Erklärung für dieses Phänomen gewesen. Zumal die Schönheit am Packtisch definitiv so weit weg war, dass er ihre Rucksackmarke nicht entziffern konnte. Doch war er sich sicher, dass sie sich, hingegen der anderen, die ja quasi neben ihm stand und ja hätte anfangen können zu sprechen(!), nicht an seinen ausziehenden Blicken störte.

Der Packtisch vor ihr war fast leer und er schaffte es nicht, einen schlechten Eindruck bei seiner unbekannten Nachbarin zu schüren, indem er jetzt endlich mal die Kassiererin anschrie.

So stand er wartend vor seiner linksseitigen Bandablage, die aus Milch, Nudeln, Fertigsoße, diversen Brotauftrischen, naturaly Brot und drei Packungen Möhrensaft bestand.Das Band bewegte sich und Lidl verabschiedete einen zahlungsfreudigen Kunden. Ihre Sachen fertig zusammengerafft, folgte die Packtischfrau dem Kunden, der soeben noch eine ganze Horde bandwartender Bandableger mit seinen großen Scheinen in Schach gehalten hatte, und ging, ihren eben vollgepacken Rucksack auf dem Rücken, in Ausgangsrichtung. Dieser Gang, er war unbeschreiblich.

Hüften, die allen Gesetzen der Aerodynamik zu trotzen schienen, wogen sich ihre Bahn durch gestresste Einkaufende, hinterließen mitreißende Mimikstudien bei Bewunderern und erreichten die Schwingtür. In einer Hand hielt sie zudem eine volle Lidltüte. In der anderen ihre schwarzen, glatten, glänzenden Haare, die sie mit der Bewegung des Türaufstoßens, ( Wow - mit dem Fuß - was für eine Frau ) mit sich nach draußen in den Regen beförderte.

Egal.

Die andere Chance auf einen Kaffee stand ja neben ihm.

"Hey, das ist ja ein Zufall, ich wollt Dich grad anrufen." Eine Freundin, die mindestens ihrem Kaliber entsprach, kam dazu. "Das ich Dich hier treffe; bist Du auch auf Bastis Geburtstag am kommenden Dienstag? Der hätte bestimmt auch nichts dagegen, wenn ich Dich einfach..."

War ja klar! Nun würde es schon schwerer sein, an die Telefonnummer dieser, nun wohl mit einer ihrer Freundinnen quatschenden Superbraut zu kommen. Er konnte halt nicht beide zu einem Kaffee mit ihm überreden. Nee!

Ein Profitieren aus Erlebten, um sich weise dieser Situation entgegenzustellen, um zu handeln, war auch nicht drin! Keine wage Erinnerung, um einer Lösung oder wenigstens einer Einsicht nahe zu kommen! Seine bisweiligen Erfahrungen konnten, egal wie sehr er sich darum bemühte und in sich kramte, keine ähnlich abgelaufenen, erlebten Ereignisse zur Bewältigung dieses Problems heranziehen. Er kam einfach nicht mehr mit: Rechtsseitig dieses rasende Gespräch, zu seiner linken eine Kassiererin, die um Geld bettelte, vor sich eine neue, da ihm noch nicht aufgefallene, räkelnde Packtischschönheit und hinter ihm: Seine zeitweilig Bekannten, die Bandableger.

Irgendwie begeistert von seinem baldigen Austreten aus dieser ´Arbeitsgemeinschaft abwesend wartender Bandableger´, ließ er einen Zwanni über die Plexiglastheke springen und verließ die Schlange dieser ausgebrannten Hirnis.

Sein Wechselgeld samt Bon einfach in die Hosentasche stopfend, erhaschte er beim vorbeigehen, einen Blick Spitze dieser räkelnden Südsee-Packtisch-Schönheit, die anscheinend müde war, aus Japan oder so kam und gerne nackte Haut zeigte, natürlich unter dem Vorbehalt des gnadenlosen Streckens und Beugens ... vor auserwählten Personenkreisen!

Das Gespräch hielt immer noch an und vor Bewunderung steif starrend, schaffte er es nicht mitzumischen. Würde sie dann halt mit ihrer Freundin Kaffee trinken gehen!

Sie, die unbekannte Dazugestoßene, schien reifer zu sein, als seine entschwundene Hoffnung auf einen neuen Handyeintrag. Nein, sie schien sich wichtiger zu nehmen: Trohnte auf ihrem eigens erschaffenem Polster ihres Selbstbewusstseins und tat äußerst zeitgeplagt.

Und die andere -

Hätte er doch... wäre er doch früher, als er sie das erste Mal am Puddingregal sah, auf die Idee gekommen, ihr den Weg zur Katzennahrung abzuriegeln; sie um eine Sekunde gebeten und gefragt, wie ihr Name wäre. Nur um vor ihr zu stehen. Um in ihre kindlich blauen Augen zu schauen, nachdem sie sich, verlegen und geschmeichelt von dieser Anmache, ihr seidig funkelndes, blondes Haar aus dem zum Verlieben geschaffenem Gesicht streichen würde.


- Bewundernd, sich sein eigen Traumbild schaffen - vom Engel -


Draußen regnete es immer noch, und inständig hoffte er auf der Straße noch diejenige zu erblicken, die eben noch eiligst ihre Taschen gepackt hatte. Doch keine Frau zu sehen. Naja, keine mit solch einem Rucksack.

Er ging zur nächsten Bushalte. Auf dem Weg dahin hatte er immer noch die umliegende Menschenmasse im Blick, die sich anonym durch den Regen schob.

Ok, eigentlich mag er gar keinen Kaffee, aber ist es nicht ein legitimer Spruch, der nicht allzu sehr verschreckt?

Eines wusste er ganz genau: Er brauchte eine Frau!
28.8.07 12:48
 



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