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Videoschaun

Lisa war wie angekündigt vorbeigekommen und saß vor ihm auf weißem Futon. Ein auf >Mute< gestellter Fernseher zeichnete Cartoons. Leise lief `Today is the Greatest´ von den Smashing Pumpkins im Hintergrund. Während ihrer Unterhaltung zog, der mit Bildern werfende Bildschirm, immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich.

- Diese aufleuchtenden Zähne: Perlweiß, blitzend blendend, einem sanft die Sinne raubend, seicht einem jene Träume träumen -

Er berührte mit seiner Fußinnensohle leicht ihren Po. Sie, in ihrem Redefluss ungebremst und der Bewegung nicht abgeneigt, oder diese als unachtsame Fußstreckung seinerseits abgetan, gestikulierte weiter wie wild mit ihren Händen. So wie es natürlich war, dem notwendigen Vorkommen gerecht, maßte er seine Hand an, sich auf ihr linkes angewinkeltes Bein zuzubewegen. Seine Hand berührte in dieser fließenden Bewegung zunächst den zerrissenen Soff ihrer Strumpfhose so, dass alle Nervenenden , die feinen, vom Stoff abstehenden Härchen spürten. Nun - Hand war geparkt. Ihre Körpertemperaturen glichen sich so unbegreiflich, dass ihm der erleichternde Gedanke in den Kopf flog, sie würde sein Wollen nicht nur erahnen, sondern wollend zustimmen. Naja, deswegen hatte man sich ja verabredet.

Der Codename: Videoschaun.


"Theatralisch verneigt sich die rauschende,

mir entgegenkommende

Woge des Zumuts.

Einem lau-sanftem Luftzug gleich,

legt die empfangende Freude,

zärtlich mit Frauenhand,

weiches Wohlbefinden auf meine Haut"


Wild sah es aus. Die Klamotten waren im ganzen Zimmer zerstreut, auch schien sich niemand daran zu stören, dass die im Cd-Player rotierende Cd, ihren letzten Song ankündigte.

Was er wahrnahm, war ihr Hinterkopf und wie sie an ihm herumarbeitete. Ihre Hände - mal vorsichtig, dann entschlossen, doch immer bewusst - glitten über seine Haut. Sinnliche Wallungen ließen ihn die Augen verdrehen, die Hüfte emporschieben. Animierend schenkte es ihren Händen mehr Halt und die Zuversicht, das Richtige zu tun. Ihr Atem wurde schneller.

Die ansteckenden Wirkung ihres allemal erregenden Luftsaugens verfehlte seine Wirkung nicht und steigerte seine allmählich immer mehr aufkommende Lust. Seiner Lust zur Extase.

Locken wurden zu virkosen, schlängelnden Wellen, die Ohren rauschten betäubend - der überirdischen Macht ihrer Bewegungen schier verfallen. Ausgesetzt war er ihrer Leidenschaft.

Ihren Bewegungen simultan, jeden auf dem Weg befindenden Muskel in seinen Bann ziehend, nahm der hinter seinen Augen entstehende, grünfarbene Schleier langsam seinen Weg auf. Unaufhaltsam - seinen Körper immer und immer mehr beherrschend, sich zähflüssig - pochend - ausbreitend.
Heißer Schweiß durchtrieb seine Poren.

Sie, seine baldige Extase wohl erahnend - Luder - ließ ihre Zunge kreisen und knetete zugleich. Der wohlwonnende grüne Schleier zerberstete seine Bauchmuskeln und legte sich um seine Lenden, eroberte und gewann.

"Hey, hast du was abbekommen?", konnte sein zerrappelter Verstand unter Hilfenahme seines zitternden Körpers über die Lippen bringen. Der lockige Hinterkopf verharrte; staunend begeistert? Wie schön ihr Busen aussah.

"Hast du Taschentücher?"

Mit einem "Nee" nahm er seine Boxershorts, küsste auf ihre linke, wischte über ihre rechte Wange und schickte sich an, diese cremig, süßlichrichende, wie auf einer Staffelei entstandene Mixtur zweier ineinander überlaufender Weißtöne, zu begutachten. Ungläubig schmunzelnd tappte sie mit ihrem Finger auf seinem, nun etwas klebrigen, Bauch herum.

"Hmm, komisches Zeug."

Grinsend erschöpft und einfach nur: rundum befriedigt, wurde diese Lehrstunde über die `samenhaltigen Augüße des Mannes´ von dem folgenschweren Gefühl des zuvorigen Orgasmus hinweggefegt.

"Thanks!" Sie küsste, umarmte, drückte ihn, was einfach nach einer Dusche schrie.

Doch wollte sie anscheinend keine. Nicht das es ihm egal war, aber... plötzlich wurde ihr Körper durch einen solch derartigen Energieschub durchfahren, dass sie lächelnd auf seinem Bauch sitzend die Oberhand gewann und ihn auf der Matratze festnagelte. "Bin stärker, siehst Du?"

Noch durch das zuvorige Herumwirbeln etwas verwirrt, zog er sie an sich. Ihre Lippen berührten einander und er spürte wie eine Hand langsam seinen Bauch hinabglitt. Die andere krallte sich in seine Haare. Küsse, Hitze, Wolllust.

"Liebst du mich?"

Man kann gar nicht anders und so wurde seine Umarmung leichter. Grade war seine Begierde vergleichbar mit der höchsten Stufe eines Gasherdes gewesen, auf dem man vier Töpfe gleichzeitig zum brodeln bringt, doch nun war er eher eine elektrische Kochplatte - weiß, harmlos, zierlich und sogar mir einer eingebauten Sicherung versehen. Damit, wenn er denn dochmal noch rotglühend in Fahrt kommen sollte, die Sicherung rausspringt.

Alles in allem schien ihm dieser Fragesatz wie ein 500 Wattstrahler in die Augen. Er wusste nicht um seine Orientierung. Was sollte er sagen? Wortfetzen tanzten ähnlich, wie die vom Strahler hervorgerufenen weiß-blauen Punkte vor seinen Augen herum. Die Wahrheit war das ganze Bild. Alle tanzenden Punkte miteingeschlossen, zu einem Satz geformt - jeder einzelne wäre nur Improvisation!

Die Zeit drängte. Lisa sah nach seiner Reaktion so aus, als hätte er eine Grimasse aufgesetzt. Zum Glück kannte sie den Ausdruck seiner Vewirrung noch nicht und so schaute sie ihm fragend in die Augen. Im ersten Moment konnte er nur zurückschauen. Warum diese Frage? Und so unverhofft! Zack, da war sie, rein in den Gehörgang und ab ins Sprachzentrum. Los komm schon, verdammtes Sprachzentrum, sonst braucht er dich nie!

Ihm kam es so vor, dass er sich, während er sprach, immer weiter von ihr entfernte. Nur, dass es unmöglich schien - sie hielt ihn fragend fest.

"Lisa, wie kommst du darauf; hab ich etwas falsch gemacht?" Man kam er sich clever vor: eine Gegenfrage, und diese getarnt durch eine Schuldzuweisung seinerseits - was wohl anschließend nur bedeuten konnte, dass sie seine Schuld (hehe, sie mag ihn) von ihm abweisen würde. Das wiederum bedeutete einen wichtigen Zeitaufschub...
28.8.07 12:50
 



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